„Wenn man über jemanden die Wahrheit erfahren will, ist dieser jemand meiner Erfahrung nach der letzte, den ich fragen würde.“ – Dr. Gregory House
Der Mann hat recht. Trotzdem werde ich mich selbst beschreiben und hoffentlich wird man mir Glauben schenken.
Ich heiße Mateusz Lewandowski, bin 15 Jahre alt und Schüler der 10. Klasse der Robert-Jungk-Oberschule in Berlin. Mein Name mag schwer aussprechbar sein, jedoch ist es für mich mittlerweile normal, ihn immer wieder laut und deutlich zu erklären. Meine Eltern haben die polnische Schreibweise beibehalten. Als ich klein war, haben viele Menschen meine Mutter gefragt, ob sie ein großer Fußballfan ist. Sie hat mir ja den Nachnamen des deutschen Rekordnationalspielers gegeben. Meine Mutter musste dann erklären, dass „Mateusz“ ein Apostel ist. Seit geraumer Zeit habe ich einen zweiten schwer aussprechbaren Namen, meinen Firmnamen Jerzy. Meiner Meinung nach wird man nicht durch seinen Namen zu etwas Besonderem, sondern durch die Taten die man vollbringt.
Ich bin leider von Geburt an ehrgeizig und deswegen mache ich viele Sachen. Dieses Jahr wurde ich zum Vorsitzenden des Kinder- und Jugendparlaments Charlottenburg-Wilmersdorf gewählt. Für meine Schule habe ich dort sogar die Renovierung eines Sportplatzes erkämpft. Außerhalb der Politik interessiere ich mich für Film und Photographie. Damit hat mich mein Großvater angesteckt, der selber Regisseur und Photograph war. Die Berlinale besuche ich immer wieder sehr gerne. Die Filme, die dort gezeigt werden bringen mich oft zum nachdenken, manchmal zum Lachen und hin und wieder habe ich auch feuchte Augen. Genau deswegen blicke ich mit Freude auf die letzten Wettbewerbe der Berlinale zurück und mit Begeisterung und Spannung auf die nächsten hin.
Wenn ich die Möglichkeit hätte einen Film zu drehen, dann würde ich gerne den Kriminalroman "Mord in Breslau" von Marek Krajewski verfilmen. Er spielt im Jahre 1933 in Breslau, wo ein schrecklicher Mord geschehen ist. Daraufhin übernimmt der Oberkommissar der Stadt, Eberhard Mock, den Fall und beginnt mit seinen Untersuchungen. Auf dem Weg zur Wahrheit trifft er auf viele Hindernisse. Der Film würde selbstverständlich auf der Geschichte des Buches basieren. Warum eigentlich genau dieses Buch und kein anderes? Einerseits hat "Mord in Breslau" eine weit verzweigte Handlung. Man erfährt erst sehr spät, wohin die Ermittlungen führen. Andererseits beinhaltet dieses Buch sehr viele historische Inhalte, z.B. werden die alten Straßennamen benutzt. Es wird auch eindrucksvoll das Nationalsozialistische System der Rechtssprechung dargestellt. Bei diesem Film würde ich am Drehbuch mitarbeiten und Regie führen.
Nachdem ich das Buch gelesen hatte, entstand in meiner Fantasie ein klares Bild vom Geschehen. Auf diese Art habe ich eine eigene Interpretation des Buches gewonnen. Ich möchte dem Zuschauer die Welt, die in meinem Kopf entstanden ist, zeigen.
Hoffentlich kann man mir trotz Dr. Gregory House’s Aussage glauben, dass ich die Wahrheit erzählt habe.
Bevor das Interview beginnt, gibt mir Mateusz einen langen Text, in dem er über sich und seine Interessen schreibt. Kurz befürchte ich, dass mir nach dem Lesen der Beschreibung keine Fragen mehr einfallen könnten, aber schnell wird mir klar, dass es nicht schwer wird, sich mit Mateusz zu unterhalten; er hat viel zu erzählen.
Mateusz wirkt die ganze Zeit ruhig und konzentriert, während er erklärt, dass er bei dieser Berlinale nicht schreiben, sondern nur fotografieren wird. Ein Hobby, an das er durch seinen Großvater, einen Regisseur und Fotografen, herangeführt wurde und das er nun für sich entdeckt hat.
Mateusz ist zum dritten Mal bei den Jungen Journalisten dabei. Er erzählt, dass ihn das Festival an sich wegen dieses speziellen „Berlinale-Feelings“ und das Projekt „Junge Journalisten“ vor allem wegen des Austauschs mit anderen über die gesehenen Filme fasziniert.
Auch auf die Frage, was er sich für seine Zukunft vorstellt, hat er sofort eine Antwort parat: Entweder will er den politischen Weg einschlagen – er wurde in diesem Jahr zum Vorsitzenden des Kinder- und Jugendparlaments Berlin-Charlottenburg gewählt – oder sich wirklich auch später mit Film und Fotografie beschäftigen.
Wenn er die Möglichkeit hätte, einen Film zu drehen, würde er den Kriminalroman „Mord in Breslau“ von Marek Krajewski verfilmen. Daran reizt ihn einerseits, die verzweigte Handlung, die im Buch aus zwei Perspektiven erzählt wird darzustellen und andererseits, dem Publikum die historischen Hintergründe des Romans näher zu bringen.
Egal, worum es gehen würde, Mateusz ist es vor allem wichtig, seine lebendige Vorstellung, die während des Lesens entstanden ist, mit anderen zu teilen.
Als Mateusz von Lara interviewt wird, sitzt er in bequemer Haltung auf dem Stuhl und stützt sich mit seinem Arm auf der Stuhllehne ab. Er redet viel "mit den Händen" beim Antworten, erklärt sehr ausführlich und anschaulich. Bei Themen, die Mateusz sehr interessieren, ist mir seine Begeisterung beim Antworten aufgefallen.