Interview mit den Kindern vom Napf und der Regisseurin Alice Schmid

Nachdem Carolin, Julia, Thomas und Laura genug Autogramme geschrieben haben und gefühlte tausend Fragen zu ihrem Film beantwortet haben, dürfen wir sie trotzdem noch zu ihren Erfahrungen während der Dreharbeiten befragen. Die vier beantworten unser Fragen bemerkenswert offen und selbstbewusst und wirken kein bisschen schüchtern. Auch die Regisseurin Alice Schmid scheint interessiert und nimmt sich jede Menge Zeit für uns. Obwohl die Kinder zurück ins Hotel wollen, um im Pool zu schwimmen und sie schon mehrere Interviews hinter sich hat, beantworten sie jede Frage sorgfältig und sehr persönlich.

von Judith Rinklebe, 15 und Lilly Oestreich, 15

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"Bist du stolz bei diesem Film mitgemacht zu haben?"
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JJ: Alice, was verbinden Sie mit Romoos und dem Napf?

Alice: Als ich 16 war, war ich beim Lehrerseminar und bin mit einem Freund zufällig in die Gegend gekommen. Es war wunderschön, die Berge sahen toll aus... so rund und irgendwie wie eine Brust (schweizerdt. für Wonne). Ich war das erste Mal verliebt und fand es irgendwie erotisch und sehr schön. Dann habe ich ein Haus gefunden, welches für 80 Franken im Monat vermietet wurde und seitdem habe ich dieses Bauernhaus. Allerdings spukt es dort und manchmal finde ich es wirklich gruselig. Einmal habe ich morgens meine Hausschuhe nicht gefunden und dann haben wir aus dem Küchenfenster geschaut und was sahen wir? Beide Schuhe standen neben einander auf einem riesigen Schneeberg, aber es gab keine Fußspuren und die Türe war auch abgeschlossen...

JJ: Wie ist die Beziehung zu den Kindern entstanden?

Alice: Ich bin in die Schule gegangen und wollte mit Ihnen Interviews über das Thema "Was bedeutet euch Kultur" machen. Und dabei habe ich diese circa 50 Kinder gut kennen gelernt und sie mich. Irgendwann kam eine Lehrerin zu mir und hat mir vorgeschlagen, einen Film über die Kinder in der Schule zu machen. Ich habe erst abgelehnt und mich dann aber fürchterlich geärgert und meinte zu ihr am nächsten Tag, dass ich das gerne machen möchte, allerdings nicht nur über die Schule, sondern über ihren Alltag. Also habe ich mir eine Tonstange gebastelt, die ich mir an den Rücken geschnürt und habe diese Kinder genau 365 Tage lang mit meiner Kamera begleitet.

JJ: Nach 365 Tagen Dreh, hat man doch sicherlich wahnsinnig viel Material. Wie ist dieser Film entstanden?

Alice: Ich hatte 4000 Stunden Material und während ich gedreht habe, habe ich so eine Art Tagebuch geführt und alles festgehalten um mich zu erinnern. Am Ende hatte ich einen riesigen Stapel Notizen und an die besten Szenen und Ideen habe ich Sternchen gemalt. Dann habe ich sie auf dem Boden verteilt und bin ein paar Wochen um sie herum geschlichen und habe überlegt. Vor den Aufnahmen, wusste ich ja nicht, was geschehen würde, und so hatte ich auch kein richtiges Konzept. Wir haben dann insgesamt 12 Versionen geschnitten; fürs Fernsehen, die Schule der Kinder, fürs Kino ect.

JJ: Wie fandet ihr die Dreharbeiten?

Julia: Also es war nicht so anders als unser sonstiges leben. Wir mussten darauf achten nicht in die Kamera zu schauen, aber dann hat man sich dran gewöhnt.

Laura: Die Alice ist immer eine Liebe gewesen und es hat so viel Spaß gemacht!

JJ: Bist du stolz bei diesem Film mitgemacht zu haben?

Carolin: Ja, klar wir wussten ja, was sie vorhat, aber trotzdem sind wir stolz. Ich finde den Film super. Die Töne und Bilder sind so toll.

Laura: Aber natürlich, das wir jetzt hier bei der Berlinale sind das ist einfach phantastisch.

JJ: Wie hat es Ihr Film zur Berlinale geschafft?

Alice: Wir haben ganz still und heimlich den Film eingeschickt und niemandem davon erzählt. Nach circa drei Monaten bekamen wir einen Anruf von Maryanne und sie sagte „Herzlichen Glückwunsch, Ihr Film hat es in den Wettbewerb geschafft!“ Wir hatten schon halb vergessen und verdrängt, dass wir den Film eingeschickt haben.

JJ: Wart ihr nervös, bevor ihr her gekommen seit?

Julia: Ja, ich war sehr nervös. Ich dachte mir, morgen fliegen wir mit dem Flugzeug und dann sind wir bei der Berlinale. Ich bin nachts um zwei erwacht und konnte nicht wieder einschlafen.

Thomas: Aber natürlich, als das Flugzeug aufgestiegen ist, dachte ich „Ich will wieder runter“. Aber dann war es toll und hier ist es auch so cool.

JJ: Und was vermisst ihr jetzt gerade, wenn ihr in Berlin seit?

Carolin: Die Hügel, die Berge, den Napf, den kleinen Ort, unsere Freunde. Einfach alles. Hier ist es zu grau, zu viel Beton, in den Bergen können wir schreien , aber hier stört das die Leute. Außerdem gibt es hier fast nichts Grünes. Keine Tiere und der Schnee ist so grau.

Thomas: Es gibt zu wenig Farbe, aber trotzdem mag ich Berlin.

JJ: Vorhin habt ihr ja ein Lied vom Napf gesungen, wo singt man das Lied sonst?

Julia: Auf einem Geburtstag und an anderen Feierlichkeiten. Aber wir haben nur den Refrain gesungen, eigentlich geht es länger. Übrigens haben wir unsere Trachten, wie das Lied, aus der Heimat mitgebracht. Im Film sieht man uns in denen tanzen.

JJ: Was wollt ihr später einmal werden?

Carolin: Ich möchte etwas mit Tieren machen, wahrscheinlich übernehme ich den Hof meiner Eltern.

Laura: Tierärztin, finde ich ist ein toller Beruf. Vielleicht mache ich das mal...

Thomas: Ich möchte etwas im Showbiz machen, es gefällt mir hier so gut. Mit den Fans und so...

Julia: Ich würde gerne die Bäckerei bei uns übernehmen!

Zum Film:

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Die Kinder vom Napf

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